Blick in den Saal des Grossen Rats in Chur während der Oktobersession 2026

Vom 19. bis 21. Oktober hat der Grosse Rat des Kantons Graubünden in Chur zur Oktobersession 2026 getagt. Ich bin Gian Marco Bianchi, Grossrat der FDP aus dem Wahlkreis Ilanz. Für mich war es nach der Augustsession 2026 die zweite Session der Legislatur 2026–2030 und die erste, in der ich einen eigenen Vorstoss eingereicht habe. Die Traktandenliste umfasste 24 Traktanden, darunter ein Gesetz, sieben Aufträge und elf Anfragen.


Ein Gesetz gegen häusliche Gewalt

Einzige Gesetzesvorlage war das Gesetz gegen häusliche Gewalt. Der Rat hat es am 20. Oktober in der Schlussabstimmung mit 84 zu 35 Stimmen angenommen. Ich habe zugestimmt.

Sieben Aufträge, fünf gehen an die Regierung

Überwiesen hat der Rat die Aufträge zur Priorisierung der kantonalen Aufgaben im Hinblick auf den Arbeitskräftemangel, zur Strukturüberprüfung des Amts für Energie und Verkehr, zu einem Konzept für den öffentlichen Verkehr, zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität und zur Preispolitik für Einheimische beim Autoverlad Vereina. Abgelehnt wurden zwei Aufträge, darunter jener zur Wertschöpfung bei der Umsetzung der Wasserkraftstrategie.

Beim Arbeitskräftemangel und bei der Strukturüberprüfung habe ich zugestimmt. Fachkräfte sind für mich ein Kernthema, und der Kanton steht vor derselben Frage wie jedes Unternehmen: Was hat Vorrang? Auffällig war, dass sich bei drei Aufträgen der Antrag der Urheberin oder des Urhebers gegen den Antrag der Regierung durchsetzte.

Anfragen und Fragestunde

Behandelt wurden elf Anfragen, darunter die beiden aus dem August zurückgestellten zu kommunalen Planungszonen und Wohnungsnot sowie zum Bachelorstudiengang Pflege in Graubünden. Ausbildungsfragen wie jene zum Bachelorstudiengang Pflege lese ich als Mitglied der Kommission für Bildung und Kultur auch als Fachkräftefragen. In der Fragestunde kamen zwölf Fragen zur Sprache, von der beruflichen Grundbildung bis zur Abgeltung bei Windenergie- und alpinen Solaranlagen.

Meine erste Anfrage: die FHGR als Innovationsmotor

Am 19. Oktober habe ich meine erste Anfrage eingereicht. Sie betrifft die Fachhochschule Graubünden (FHGR) als Innovationsmotor für Unternehmen und Arbeitsplätze. Die FHGR schafft auf zwei Wegen Wertschöpfung: durch Ausgründungen aus Forschung und Studium und durch den Wissens- und Technologietransfer in bestehende KMU. Beides schafft qualifizierte Arbeitsplätze und kann helfen, Fachkräfte im Kanton zu halten.

Von der Regierung möchte ich unter anderem wissen, wie viele Ausgründungen es seit 2020 gegeben hat, wie der Kanton sie unterstützt und welche Massnahmen geplant sind. Und wie die Angebote der FHGR für KMU in den Regionen genutzt werden, etwa in der Surselva, gerade bei Digitalisierung und Unternehmensnachfolge. Mir geht es um Brücken zwischen Hochschule und Betrieben, auch ausserhalb des Churer Rheintals. Der Zeitpunkt passt: Gemäss Budget 2026 des Kantons soll die neue Hochschul- und Forschungsstrategie bis Ende 2026 beschlossen werden, und das neue Fachhochschulzentrum ist im Bau. Die Regierung antwortet spätestens in der Februarsession 2027.

Mein Eindruck nach zwei Sessionen

Zwei Sessionen sind wenig für eine Bilanz. Die Themenvielfalt und die Herausforderungen in unserem Kanton sind gross und breit. Diskussionen werden ausdauernd geführt, leider auch aufgrund von Prinzipien. Dennoch stelle ich fest, dass der Tenor im Grossen und Ganzen lösungsorientiert ist und die Parlamentarierinnen und Parlamentarier versuchen, Verbesserungen herbeizuführen.

Alles öffentlich im Ratsinformationssystem

Alle Geschäfte, Beschlüsse und Abstimmungen sind öffentlich im Ratsinformationssystem: Oktobersession 2026. Die Debatten lassen sich in den Videoaufzeichnungen nachschauen.

Haben Sie ein Anliegen aus der Surselva oder eine Frage zu einem Geschäft? Schreiben Sie mir.